
Staffel-Finale bei BRACELONE-DIE SAGA! Wir waren in Barcelona. Auf der „Ban Fossil Ads“-Konferenz. Da sind wir in eine Adbusting-Aktion gegen den Flughafen-Ausbau geraten. Dabei falteten wir mit vielen anderen Menschen Papierflugzeuge aus Werbepostern und platzierten diese in Werbevitrinen. Zwei Leute wurden verhaftet, drei kontrolliert, eine Bar von den Cops gerockt und im Hostel alle Daten der Konferenz-Teilnehmerinnen abgegriffen. Anlass genug, uns und unser Verhalten selbst zu hinterfragen. Bei der Verhaftung fragten die Cops genervt, ob die Betroffenen solchen Unsinn auch zu Hause machen würden (siehe Teil 1 der BRACELONE-SAGA). Hier folgen unsere Gedanken zu Over-Tourism und genervten Cops die wegen Mietenwahnsinn keine Wohnung finden.
Zug fahren immunisiert gegen Kritik
Immerhin sind wir und die Betroffenen mit dem Zug nach Bracelone gekommen statt mit dem Flugzeug. Sonst hätten die betroffenen Personen angesichts der genervten Frage der Cops, warum sie das in BRACELONE: DIE SAGA! machen und nicht zuhaus, recht alt ausgesehen. Also: Zug fahren immunisiert gegen Kritik.

Partizipieren am Over-Tourismus?
In der Nachbesprechung haben wir darauf verständlicherweise recht wenig Zeit verwendet, weil es dringendere Dinge zu besprechen und zu diskutieren galt. Eine Meinung, mit der wir vorerst zufrieden waren, lautete: Dass, was wir in Barcelona machen, sei ok sei, weil wir alle ja keinen Tourismus machen würden. Denn unser Tourismus sei kein Tourismus, weil wir mit unserer Aktion und unserer Konferenzteilnahme zur „lokalen Community“ beitragen und „partizipieren“ würden.
Nachdenken
Mittlerweile hatten wir etwas Zeit darüber nachzudenken, und die These zu diskutieren. Wir bezweifeln, das sie die in Barcelona arbeitenden Menschen, die für ihre Family keine bezahlbare Wohnung in der Stadt finden, nicht zufrieden stellen würde. Deswegen schärfen wir jetzt nach.

Ist Tourismus ein Problem?
Tourismus ist die temporäre Ortsveränderung durch Reisen von Personen in Orte, die sich außerhalb ihres üblichen Wohn- oder Arbeitsorts befinden und zu dem sie nach recht kurzer Zeit zurück kehren. Das finden viele Menschen gut. Man sieht neue Dinge, Gegenden, Gepflogenheiten. Viele Menschen freuen sich auch, wenn Touristinnen bei ihnen zu Besuch kommen und sich für ihren Teil der Welt interessieren.
Over-Tourism
Problematisch wird es, wenn Tourismus das Leben am Tourismus-Ziel für die dort lebenden Menschen schlimm macht. Schlimm sind Wohnungsnot, steigenden Preise, Verdrängung und dadurch steigender Verkehr. Und wenn sich die Profite davon einige Wenige ins Bankkonto stecken, während die Allgemeinheit für die Folgekosten aufkommen muss.
Was tun gegen Over-Tourismus?
Barcelona hat eine Tourismus-Steuer. Die ist bei sechs Euro pro Tag und ab dem 7. Tag ist frei. In Venedig muss man Eintritt zahlen. Und wenn voll ist, ist voll. doch ab wann ist der Eintritt oder die Stuer hoch genug? Denn die, die vom Over-Tourism profitieren, werden ja alle Lobby-Mühlen in Bewegung setzen, um diese Kosten so gering wie möglich zu halten. Und wie stellt man sicher, das die Betroffenen von Over-Tourism profitieren und nicht nur die mit am meisten Einfluss? Und das die das dann statt für sozialen Wohnungsbau statt für Kriegstüchtigkeit ausgeben?
Der Wiener Weg?
Zweite Idee: Sozialer Wohnungsbau. Der hilft. Und darf nicht zu Airbnbs gemacht werden. Läuft in Wien! die haben da in den letzten 40 Jahren übrigens auch ihren öffentlichen Nahverkehr spektakulär krass ausgebaut.
Partizipieren?
Eine Idee ist partizipieren an der lokalen Community. Wie partizipiert man an einer lokalen Community? Zahlt man angemessen hohe Preise, damit die Leute ein gutes Leben haben? Reicht das? Oder sollten wir mindestens drei Monate da sein und so eine Art Europäischen Zivildienst machen und schlecht bezahlt soziale Tätigkeiten übernehmen?

Mitmachen?
Einschub an dieser Stelle: Die Leute im Hausprojekt Can Masdeu, in dem wir waren, finden noch nicht, das sie mit Besuch überlastet sind. Sie freuen sich über Besuch. Sie erlauben einen 14-tägigen Aufenthalt, wenn man sich 14 Stunden die Woche an den Arbeiten und Aufgaben im, am und ums Haus beteiligt. Mehr Infos:
https://canmasdeu.net/
Andere Reiseziele suchen?
Oder sollten wir uns andere Reiseziele suchen? Und dorthin fahren, wo auch Tourismus noch ein willkommener Beitrag zur Community ist? Zwei von uns nutzten die Reise nach BRACELONE: DIe SAGA! noch, um das Baskenland zu besuchen. In einer recht unbekannten Kleinstadt, die sie hauptsächlich besuchten, zahlten sie für ein schickes Hotelzimmer pro Kopf weniger als wir in Bracelone für ein hässliches Hostel-Hochbett im engen 8er-Zimmer ohne Tisch, Schrank, Stuhl. Vom miesen Hostel-Frühstück mal ganz zu schweigen…
Ausbeutung der Peripherie?
Oder ist Besuchen bisher noch weniger auf Instagram vertretener Orte im Kapitalismus einfach Ausbeutung der Peripherie? Die deutsche Wikipedia schreibt: „Der Tourismus hat vielerorts vom Niedergang bedrohte Wirtschaftszweige erhalten und – wie etwa in den Westalpen – der Entvölkerung ganzer Landstriche entgegengewirkt.“ Das schließt die nächste Fragen an: Gibt es ein richtiges Leben im Falschen?
Treffen fast immer in Berlin?
Wie ist das mit dem Over-Tourismus eigentlich bei uns? Warum machen wir mit unserer bundesweiten Vernetzung, dem Antimilitaristischen Aktionsnetzwerk (a2n), die meisten Treffen hier bei uns in Berlin? Warum finden die meisten Leute Treffen in Berlin gut? Und noch ne Frage, auf die wir immer noch keine richtige Antwort haben. Aber das nächste Rebellische Zusammenkommen des Antimilitaristischen Aktionsnetzwerkes ist in Stuttgart:
https://antimil-aktionsnetzwerk.site36.net/2025/12/12/30-4-3-5-2026-rebellisches-zusammenkommen-des-antimilitaristischen-aktionsnetzwerks-a2n/

Bundeswehr-Bezug?
Wir überlegen, ob man den Papierfliegern nicht einen Bundeswehr-Bezug geben kann. Hier die ersten noch ausbaufähigen Experimente:
Falls ihr Ideen habt, wie daraus eine stimmige Aktion wird: Bitte gerne eine E-Mail an w2a@riseup.net
Mehr Infos:
Soli-Poster in Barcelona wegen Gerichtsprozess in Berlin:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/10/01/adbustings-basteln-in-barcelona/
Adbusting in Barcelona: Mit Papierflugzeugen gegen den Flughafenausbau, Teil 1:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/06/adbusting-in-barcelona-mit-papierflugzeugen-gegen-den-flughafenausbau-teil-1/
Busted in Bracelone! Wegen Papierflugzeugen gegen den Flughafenausbau, Teil 2:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/08/busted-in-bracelone-wegen-papierflugzeugen-gegen-den-flughafenausbau-teil-2/
Wer hat Angst vor Zivi-Cops? Aktionsbericht zu Paper Planes Adbustings in Barcelona, Teil 3:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/10/wer-hat-angst-vor-zivi-cops-aktionsbericht-zu-paper-planes-adbustings-in-barcelona-teil-3/
Was haben wir daraus gelernt? Teil 4 der BRACELONE-SAGA:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/13/busted-in-bracelone-was-haben-wir-daraus-gelernt/