
Adbusting-Alarm in Berlin: Die Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a) sich die aktuelle Kampagne der Bundeswehr. Mit Farbe und Sprüdose veränderten sie mehrere sogenannter „City-Light-Plakate“, die in der ganzen Stadt verteilt in Werbevitrinen an Bushaltestellen hängen. Aus „70 Gründe für die Bundeswehr“ machte die antimilitaristische Kommunikationsguerilla „Gründe gegen die Bundeswehr“. „Statt Propaganda für die Bundeswehr zu betreiben, kritisieren die Plakaten nun das deutsche Militär“ freut sich Kai N. Krieger, Sprecher:in der Antimilitaristischen Aktionswerkstatt (w2a).

Leicht zu entstellen
Die Bundeswehr versucht sich mit ihren Sprüchen als Friedensbringer:in zu inszenieren. Die Adbustings zeigen jedoch, wie einfach es ist, die Parolen der Bundeswehr mit kleinen Veränderungen bis zur Kenntlichkeit zu entstellen. „Weil Militär Gewalt braucht“ war ursprünglich: „Weil Frieden Mut braucht“. „Weil Töten hier selbstverständlich ist“ lautete ursprünglich : „Weil Frieden nicht selbstverständlich ist“. „Der Kalte Krieg und die gescheiterten Einsätze der Bundeswehr im Ausland haben gezeigt, dass Aufrüstung und Militäreinsätze keinen Frieden bringen“ so Kai.

Hinweis auf das Nazi-Problem
Zwei weitere Sprüche machen auf das Nazi-Problem in der Bundeswehr aufmerksam: „Weil Wir Deutschlands Nazis ausbilden“ hatte im Original statt der Nazis das Wort „Stärke“ in der Mitte. Und „Weil sich Rechte nicht selbst bewaffnen“ entstand aus „Weil sich Grundrechte nicht selbst verteidigen“. Denn es wurden immer wieder Waffen aus Bundeswehrbeständen bei rechten Gruppierungem gefunden, deren Mitglieder durch ihre Position in der Bundeswehr Zugang dazu haben.

Toxische Männlichkeit
Auch der toxischen Männlichkeit im Kämpfer-Ethos der Bundeswehr widmet die Gruppe einen Spruch: „Weil Du deinen Bros vom Krieg erzählen willst“ war mal: „Weil Du deinen Enkeln nicht vom Krieg erzählen willst“.

Rechte Cluster
Die Bundeswehr ist kein normaler Arbeitgeber. Nirgends anders außer vielleicht noch bei der Polizei oder im DAX-Vorstand dürften so toxische Vorstellungen von Männlichkeit herrschen wie dort. Bis in letzter Konsequenz gehört Töten, Morden und Sterben im Gegensatz zu anderen Berufen beim Soldaten dazu. „Weil die Zustimmung zu menschenfeindliche Ideologien im Cluster auftritt, verteidigt man in der Bundeswehr aller Grundgesetz-Propaganda zum Trotz ein „Deutschland“ wie es sich Herr Merz und seine Altersgenossen wieder zurück wünschen“ erklärt Kai N. Krieger. „Wo soll sich die gemeine Soldat:in in unser friedlichen Gesellschaft Vorbilder fürs Krieger:innentum suchen, wenn nicht in der vermeintlich guten alten Zeit?“

Snipping
Platte populistische Slogans auf Propaganda-Plakaten sind förmliche Einladung für Adbusting. Denn für ein gutes Adbusting ist ausreichend, wenige Buchstaben oder Wörter zu ändern, um die Bedeutung ins Gegenteil zu verkehren: Diese Strategie nennen Kommunikationsguerilla*s „Sniping“. Sie ist sehr effektiv, um mit fast keinem Budget und nur ein bisschen Farbe eine millionenschwere Werbekampagne zu ruinieren.

Anzeigen sinnlos?
Scheinheilig lobte Presse-General Müller am 3. November in einer Pressekonferenz der Bundesregierung hilflos gegenüber den trotz aller Repressionen immer wieder auftretenden Adbustings seinen Laden für den „easy“ Umgang mit die Bundeswehr kritisierenden Adbustings: „Wir haben häufiger den Fall, dass zum Beispiel Werbeplakate angepasst werden, dass Adbusting-Kampagnen laufen (…). Die Bundeswehr geht damit eigentlich, finde ich, relativ „easy“ um. Wir erstatten dann keine Anzeigen. Wir finden, in einer gelebten Demokratie gehört Kritik und manchmal auch Überspitzung oder Provokation dazu.“

Darf man das?
Das war ein langer Lernprozess für die Bundeswehr. Das Bundesverfassungsgericht musste 2023 klarstellen, das Bundeswehr-Adbustings kein Grund für die Polizei sind, schnell mal „easy“ Hausdurchsuchungen zu machen. Noch 2018 listete der Bericht der Wehrbeauftragten des Bundestages jede Menge Adbustings als Bedrohung auf, um auf 118 angeblich sicherheitsrelevante Vorfälle zu kommen. Behörden ermittelten sogar mehrmals anhand des Paragrafens „Störpropaganda gegen die Bundeswehr“. Alles umsonst: „Kein einziges Strafverfahren wegen Adbusting endete mit Schuldsprüchen!“ freut sich Kai N. Krieger: „Gerade erst stellte das Amtsgericht Tiergarten sang- und klanglos mehrere Verfahren wegen Adbusting ein.“

Wegen eines Postings Streifenwageneinsatz
Trotzdem sorgen Adbustings mit der Bundeswehr weiter regelmäßig für unverhältnismäßige Ermittlungen. Beispiel: Im Kontext der Besetzung gegen Antisemitismus beim AStA der TU Berlin berichtet der Tagesspiegel über eine skurrilen Vorfall. Beamte seinen vor Ort gewesen. Doch nicht wegen der Besetzung sagt die Polizei. Deren Pressesprecher verwies auf ein Bekennerschreiben auf dem Portal Indymedia, demzufolge eine Gruppe namens „Werkstatt für Antifaschistische Aktionen“ (in Zukunft mit „w2a“ bitte!) in mehreren Gebäuden der TU Plakate des IT-Dienstleisters der Bundeswehr, der BWI GmbH, mit einem Totenkopf und Warnhinweisen wie auf Zigarettenpackungen beklebt hatte. Deshalb sei ein Funkstreifenwagen zur TU geschickt worden.
Was ist die Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a)?
„Um dem rechten Beat der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen, haben wir die Werkstatt für antifaschistische Aktionen gegründet“ erklärt Kai N. Krieger, Sprecher*in der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a). Antifaschismus sei Handarbeit – bei der w2a mit Schere, Kleber und Papier. „Wir machen kreative Aktionen, um antifaschistische Positionen in die Öffentlichkeit zu bringen“ erklärt Kai N. Krieger weiter.
Falls Du mitmachen möchtest bei kreativen Aktionen gegen Militär-Werbung, trete bitte gerne per Mail mit uns in Kontakt: w2a@riseup.net
Oder komm auf eine unserer Veranstaltungen:
Mittwoch, den 17.12.2025 ist die Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a) an der Freien Universität Berlin. Um 16h treffen wir uns am GalileA, Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin, (erstes Obergeschoss der Silberlaube (über der Mensa)) den Workshop: „Adbusting: Militär-Werbung mit minimalinvasivem Vandalismus bekämpfen“. Der Workshop ist auch eine gute Gelegenheit, die Aktiven der Werkstatt für antifaschistische Aktionen (w2a) und ihre politische Arbeit näher kennen zu lernen, falls du mit Kommunikationsguerilla gegen Militär und Polizei kreativ aktiv werden möchtest.
Mehr Infos?
General Müller zu Adbusting in der Pressekonferenz am 3.11.:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-3-november-2025-2392068
Adbusting-Verfahren eingestellt:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/10/25/strafverfahren-wegen-polizei-adbustings-schon-wieder-eingestellt/
Bundesverfassungsgericht findet Hausdurchsuchung kriminell, nicht Adbustings:
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/bvg23-121.html
Mehr Infos zur Arbeit der w2a:
Blog der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2):
https://antifawerkstatt.noblogs.org/
Danke, Antifa-Werkstatt! Die taz über unsere Aktionen:
https://taz.de/Veteranentag-in-Berlin/!6091226/
Selbstverständnis in der der w2a:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/selbstverstaendnis/