
Wir haben in Barcelona zusammen mit lokalen Aktivist*innen eine Adbusting-Aktion gemacht. Mit Papierfliegern in Werbevitrinen protestierten wir gegen den Flughafenausbau. Dabei lief nicht alles glatt: Zwei Verhaftungen und die Cops haben vermutlich alle Daten der Konferenzteilnehmer*innen abgegriffen (siehe Teil 2 und Teil 1 unserer Barcelona-Saga, die Verfahren sind mittlerweile eingestellt). Wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen… Zivicops sind auf der Jagd!

Papierflugzeuge gegen Flughafenausbau
Kurzer Recap, wer Teil 1 und 2 von BRACELONE-Die Saga! Kennt, kann gleich zum übernächsten Absatz springen): In Barcelona waren wir beim „Ban Fossil Ads Gathering“. Wir beteiligten uns ein der Adbusting-Aktion „Paper Planes“ um gegen den Flughafen-Ausbau zu protestieren. Wir laufen durch die Straßen Barcelonas, öffnen mit Rohrsteckschlüssel aus dem Baumarkt Werbevitrinen und falten die Werbeplakate zu Papierfliegern und kritzeln auf Englisch, Spanisch und Katalanisch „Freier Fall“ dazu (das schildern wir in Teil 1 unserer BRACELONE-Saga!).

Verhaftungen
Bei uns aus Berlin Angereisten läuft alles super, doch ein Mensch aus Frankreich und ein Mensch aus Deutschland (nicht Berlin) werden von den Cops verhaftet (die Verfahren sind mittlerweile eingestellt). Bei der Verhaftung geht vieles gut, aber einiges läuft schief (das schildern wir in Teil 2 unserer aufregenden Barcelona-Saga!). Jetzt berichten wir, was danach geschah!

Zivicops am Arsch
Die Betroffenen sind nach der über einer Stunde dauernden Festnahme am Plaça de Catalunya immerhin wieder frei. Die beiden Betroffenen wollen ins Hostel zurück kehren. Was sie nicht wissen: Sie haben Begleitung durch Zivi-Cops, die von nun an ihnen kleben.

Verfolgung ist ansteckend
Die Betroffenen treffen unterwegs eine Konferenz-Bekanntschaft. Die ist auf dem Weg in eine nahe gelegene Bar. Dort warten weitere Konferenz-Bekanntschaften. Nach einem kurzen Gespräch gehen alle ihrer Wege. Doch die Verfolgung durch die Zivicops ist ansteckend: Mindestens drei Zivi-Cops, die sich unerkannt an die beiden Betroffenen geheftet haben, folgen jetzt unerkannt dem bisher unbeteiligten und arglosen Bekannten.
Busted in Bracelone
Nachdem der bisher unbeteiligte Bekannte in die Bar eingekehrt ist, dauert es nicht lange, bis drei Streifenwagen auftauchen. Deren Besatzungen entern zusammen mit dem Truppführer der Zivicops die Bar. Sie stellen gezielt die Identitäten der um den zuvor Verfolgten versammelten Bargäste fest.
Befragung auf Spanisch
Die je drei Uniformierten und Zivicops umringten die Betroffenen in der Bar und redeten eindringlich auf Spanisch auf sie ein. Lediglich eine Polizistin wechselte netterweise ins Englische, während die anderen im Spanischen blieben, obwohl die Anwesenden der Sprache offensichtlich nicht mächtig waren. Die Cops fragen, ob irgendwer etwas von „Paperplanes“ wisse. Und na klar nach dem Hostel. Währenddessen gab ein unfreundlicher Zivicop die Ausweisdaten per Funk weiter.
Einschüchterung
Dies alles beschreiben die Betroffenen als sehr einschüchternd. Die erfolgreiche Einschüchterung dieser Taktik bei weißen Menschen mit EU-Pass lässt erahnen, wie ekelig sprachliche Polizeischikane gegenüber POCs oder Menschen ohne sog. „legalen“ Aufenthaltsstatus ist.
Handy-Daten abgreifen
Trotz Versuchen, die Aussage zu verweigern, forderte die Polizei vehement die Telefonnummern der drei betroffenen Bargäste ein. Diese pokerten, dass die Angabe der Telefonnummer in Spanien genauso wenig verpflichtend ist wie in Deutschland. Die Zivicops meinten recht einschüchternd (in etwa): „Was in Deutschland Gesetz ist, gilt hier noch lange nicht“.
Bilder gemacht?
Als ein Bargast unbedacht auf seinem Handy die Uhrzeit checkte, wollten die Polizisten nicht mehr nur die Nummer, sondern das ganze Telefon konfiszieren: „Du hast Bilder von uns gemacht!“ war die Ausrede. Als wir die Story hörten, sorgte das für Vertrautheit mit der Fremde: Sowas könnte uns auch in Berlin passieren.
Mit der Botschaft drohen
Als niemand die Nummer rausrückte, drohten die Cops damit die Deutsche Botschaft einzuschalten. Ist ein Kontakt mit der Deutschen Botschaft die schlimmste Drohung, die sich spanische Cops vorstellen können? Doch diesmal bleibt das Handy bei seinem Besitzer.
Hodensäcke?
Nach etwa 40 Minuten rückte die spanische Polizei recht plötzlich die Ausweise wieder raus und verabschiedete sich mit der spanischen Beleidigung (die Betroffenen hätten keine/kleine Hodensäcke…). Auch alles bekannt aus Berlin.
Paranoia in den Köpfen
Die Zivicops fuhren auf ihren Leihrädern fort. Die anderen Cops brausten mit den Autos davon. Nach der Maßnahme waren die Beteiligten der Maßnahme ziemlich aufgebracht. Ein gemeinsamer Nachtspaziergang zur Sagrada Familia half den Betroffenen, um etwas herunterzukommen. Gleichzeit befürchteten sie, dass die Polizei das Hostel observieren oder gar durchsuchen oder stürmen könnte… Außerdem blieb nicht ausgeschlossen, dass weiterhin Zivicops unterwegs waren; zumindest in ihren Köpfen… zum Glück sind die Verfahren mittlerweile eingestellt.
Lessons learned?
Der nächste 4. Teil unserer super spannenden und äußerst aufregenden BRACELONE-SAGA erzählt, was wir aus dem Ganzen gelernt haben und was wir mit nach Hause nehmen. Seid gespannt auf den vierten Teil, den wir bald veröffentlichen!
Mehr Infos:
Busted in Barcelone! Teil 2 von BRACELONE- DIE SAGA!:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/06/busted-in-bracelone-wegen-papierflugzeugen-gegen-den-flughafenausbau-teil-2/
Paperplanes-Adbusting in Barcelona! Teil 1 BRACELONE- DIE SAGA!:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2026/04/06/adbusting-in-barcelona-mit-papierflugzeugen-gegen-den-flughafenausbau-teil-1/